{"id":12,"date":"2011-03-20T13:31:00","date_gmt":"2011-03-20T12:31:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2017-02-16T20:37:37","modified_gmt":"2017-02-16T19:37:37","slug":"egdu-oder-strasser-tut-was-man-von-ihm-erwartet-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tiefederjahre.at\/?p=12","title":{"rendered":"EGDU oder: Strasser tut, was man von ihm erwartet hat"},"content":{"rendered":"<p>Der EU-Abgeordnete, \u00d6VP-Politiker und ehemalige Innenminister Ernst Strasser ist zur\u00fcckgetreten. Nicht, weil er sich f\u00fcr irgendwas sch\u00e4mt, sondern weil sein Parteichef Josef Pr\u00f6ll, dem man aus menschlichen R\u00fccksichten gew\u00fcnscht h\u00e4tte, dass er seine Lungenembolie in Tirol ohne derartige St\u00f6rungen auskurieren k\u00f6nnte, es ihm ultimativ nahegelegt hat.<\/p>\n<p>Einige Details \u00fcber diese Geschichte habe ich soeben auch bei <a href=\"http:\/\/www.suite101.de\/content\/ernst-strasser----ruecktritt-wider-willen-a105965\">Suite101<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Die schmutzigen Details sind mittlerweile bekannt, und die einschl\u00e4gigen Videos haben inzwischen, erwartungsgem\u00e4\u00df, ihren Weg zu YouTube gefunden (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/educationbot#p\/a\/u\/2\/Zyg7m1J7O80\">Video 1<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/educationbot#p\/a\/u\/2\/MOZzjfVOYA8\">Video 2<\/a>). Was man dort sieht und h\u00f6rt, ist in seiner plumpen, arroganten Direktheit wirklich haarstr\u00e4ubend. Es wird selbst f\u00fcr Herrn Strasser schwierig sein, sich da herauszureden. Zumal das nat\u00fcrlich nicht nur Folgen in \u00d6sterreich, sondern vor allem auch auf EU-Ebene haben wird. Untersuchungen wurden bereits eingeleitet.<\/p>\n<p>Aber es lohnt sich &#8212; wenigstens, sofern man gute Nerven hat &#8211;, dar\u00fcber nachzudenken, was f\u00fcr eine Politikerkaste wir uns da eigentlich herangez\u00fcchtet haben. Bei der hierzulande \u00fcblichen Titelsucht w\u00e4r&#8217;s doch ganz nett, einen neuen Titel hinzuzuf\u00fcgen. Moderne Menschen sind ja zumindest bei der Namens- und Titelgebung proamerikanisch. Das \u00e4u\u00dfert sich beim Namen darin, dass heute jeder Hausmeister (pardon! jeder Mitarbeiter einer Reinigungsfirma, es gibt ja in Wien keine Hausmeister mehr) einen sogennannten Middle Name hat, der mit einem Initial abgek\u00fcrzt wird. War er vorher der Pepi Havlicek, dann ist er jetzt der Josef <u><b>A.<\/b><\/u> Havlicek, selbst wenn das &#8222;A&#8220; nur f\u00fcr &#8222;Armutschkerl&#8220; steht oder f\u00fcr was anderes, der K\u00f6rpermitte Naheliegendes. Beim Titel ist es so, dass man moderne Ami-Titel als Buchstabenkombinationen (die keiner versteht) <i><b>hinter dem Namen<\/b><\/i> anf\u00fchrt, was wieder an das obige &#8222;A.&#8220; gemahnt.<br \/>So k\u00f6nnte es also z.B. hei\u00dfen: &#8222;Dr. Ernst L. Strasser, EGDU&#8220;, was in der Langfassung bedeutet:<\/p>\n<p>&#8222;Doktor Ernst ,Leider ist aus der vielen Kohle jetzt doch nichts geworden&#8216; Strasser, Es Gilt Die Unschuldsvermutung&#8220;.<\/p>\n<p>Die gilt ja eigentlich mittlerweile fast generell f\u00fcr unsere lieben heimischen Politiker, egal ob sie in St. P\u00f6lten oder in Br\u00fcssel sitzen. Und ich sage nicht zuf\u00e4llig &#8222;St. P\u00f6lten&#8220;, denn es IST wohl kein Zufall, dass der Herr Strasser aus der Kaderschmiede des Erwin Pr\u00f6ll, EGDU, stammt. Eines Onkels, der zusammen mit seinem Freund von der anderen Seite, Michael H\u00e4upl, das Skylink-Debakel zu verantworten hat. In dessen sch\u00f6nem Land auch jene Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt zu Hause ist, die derzeit gegen Tiersch\u00fctzer wie gegen Terroristen vorgeht; einem Land, in dem es auch passionierte J\u00e4ger wie den Herrn Konrad von Raiffeisen gibt, die sich nicht gern von einem Verein gegen Tierfabriken \u00e4rgern lassen. EGDU, nat\u00fcrlich, f\u00fcr alle, immer und pauschal, manchmal sogar dann, wenn das Gegenteil als erwiesen gelten kann. Und deswegen wirkt&#8217;s halt ein bissel komisch, unfreiwillig nat\u00fcrlich, wenn der Neffe Sauberkeit von jenen fordert, die der Onkel gez\u00fcchtet hat.<\/p>\n<p>Und Strasser, wie ich im Titel dieses Beitrags sagte, tut genau das, was alle, die nicht seines Geistes sind, von ihm nicht anders erwartet haben: er leugnet, leugnet, leugnet. Er spricht von einer &#8222;Kampagne&#8220; gegen ihn und sagt, dass er ja nur <i><b>deshalb<\/b><\/i> zur\u00fccktrete, um seiner <i><b>Partei nicht zu schaden<\/b><\/i>. (Und selbst das t\u00e4te er nicht, wenn ihm der Neffe nicht eben den R\u00fccktritt geradezu befohlen h\u00e4tte.) Wenn das tats\u00e4chlich seine Absicht gewesen w\u00e4re, dann h\u00e4tte er sich vielleicht vor der letzten EU-Wahl lieber nicht mit aller Gewalt auf den ersten Listenplatz boxen und den armen, mir anst\u00e4ndig erscheinenden Othmar Karas, der sich mit solchem Gez\u00fccht abgeben muss, verdr\u00e4ngen sollen. Hat er aber, der Ernstl, und jetzt muss sich halt die \u00d6VP-Fraktion in Br\u00fcssel einen neuen Delegationsleiter suchen. Man darf gespannt sein, <i><b>ob <\/b><\/i>Strasser \u00fcberhaupt angeklagt wird und <i><b>ob<\/b><\/i>, wenn ja, es zu einer Verurteilung kommt.<\/p>\n<p>Man darf mit Fug und Recht daran zweifeln, wenn man sich anschaut, was sich in diesem Land, sonst so abspielt, EGDU. Da ist einmal Karl-Heinz &#8222;Ich-bin-entsetzt-wie-beschissen-und-korrupt-dieses-Land-ist&#8220; Grasser, der mit dem vorher erw\u00e4hnten Strasser nicht nur weite Teile seines Namens gemeinsam hat, sondern auch die pragmatische Einstellung zum Verh\u00e4ltnis jenes Teils seiner Aufmerksamkeit, den ein Politiker \u00f6ffentlichen Interessen, und jenes Teils, den er seiner privaten Einkommensmaximierung widmen sollte, also ca. 1:99. Da wartet man Monat f\u00fcr Monat darauf, dass endlich Anklage erhoben wird, gegen Grasser selbst und gegen seine Kumpanen, wie den landl\u00e4ufig bekannten Walter &#8222;Wos-woa-mei-Leistung?&#8220; Meischberger, der wenigstens f\u00fcr einen Lacherfolg gesorgt hat, und nicht einmal das kann man Grasser zugutehalten. Was geschieht? Nichts.<br \/>Grasser wird einvernommen, sein Anwalt Ainedter tritt vor, nimmt kurz den Tschick aus dem Mund, um den Stehsatz abzuliefern, den, ebenso wie die Langfassung von EGDU, jeder \u00f6sterreichische Journalist schon per K\u00fcrzel gespeichert hat: &#8222;Da ist nichts dran.&#8220; Um sich dann wieder ungest\u00f6rt der Nichtraucherverfolgung zu widmen.<\/p>\n<p>Dann haben wir nat\u00fcrlich die sauberste Fraktion innerhalb des Parteispektrums der Sauberm\u00e4nner: die &#8222;FPK&#8220;, wie das neuerdings hei\u00dft. Der oberste dieser Sauberm\u00e4nner hat sich ja vor einiger Zeit in einem sauberen Rausch, na sagen wir: verabschiedet. Und wie das halt bei Diadochenk\u00e4mpfen so zu sein pflegt, haben danach einige gewonnen, einige verloren, einer &#8212; der Lebensmensch Petzner &#8212; kam sogar vor Gericht, allerdings wegen relativer Bagatellen, der hatte, glaub ich, nicht einmal einen sechsstelligen Betrag unterschlagen, und sicherheitshalber auch hier: EGDU, obwohl ich mir da, eigentlich, schon nicht mehr ganz sicher bin.<br \/>Aber da gibt&#8217;s ja jetzt den Spross der &#8222;Herrenbauernfamilie&#8220; (einer der vielen K\u00e4rtner Euphemismen f\u00fcr &#8222;Nazis&#8220;), Uwe Scheuch. Und man versteht ja, warum solche Leute gegen eine Erweiterung der polizeilichen M\u00f6glichkeiten des Datenzugriffs sind, werden doch bl\u00f6derweise immer wieder peinliche Telefonate mitgeschnitten, denen wir nicht nur den &#8222;Woas-woa-mei-Leistung&#8220;-Lacher zu verdanken haben, sondern auch die Erkenntnis, dass Scheuch nicht Englisch kann, dass er aber dennoch die Verleihung der \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaft an einen finanzkr\u00e4ftigen Russen als Gegenleistung f\u00fcr sinnvolle Investionen (z.B. in die Parteistrukturen des damaligen BZ\u00d6) f\u00fcr &#8222;nonanet part of the package&#8220; h\u00e4lt. EGDU. Angeblich ermittelt auch hier die Staatsanwaltschaft.<\/p>\n<p>Inzwischen hat die FPK eine ihr geh\u00f6rende Werbeagentur in verd\u00e4chtiger Eile zugesperrt. Ein Schelm, wer da von der Vernichtung von Beweisen spr\u00e4che, EGDU.<\/p>\n<p>Andererseits treiben in diesem Land ganz \u00fcble Neonazis ein erstaunlich ungest\u00f6rtes Handwerk. Da gibt es eine Website, die bekanntlich &#8222;Alpen-Donau-Info&#8220; hei\u00dft und deren Dateien auf einem amerikanischen Server liegen. No, ahschowos, w\u00fcrde man sagen. Immer wieder liest man, wie mittels internationaler Zusammenarbeit ganze Netzwerke von P\u00e4dophilen auffliegen, wie &#8212; beeindruckenderweise &#8212; in vielen L\u00e4ndern gleichzeitig Hausdurchsuchungen und Verhaftungen stattfinden. Man liest Interviews mit einem mutigen Polizisten, der darauf hinweist, dass es ganz leicht w\u00e4re, die Verantwortlichen in \u00d6sterreich mit ein paar Cybertricks auszuforschen, wenn man denn nur <i><b>wollte<\/b><\/i>. Doch man will nicht, und derselbe Polizist sagt auch, warum: weil die Sympathisanten dieser Leute, dank Wolfgang Sch\u00fcssel, mittlerweile in so vielen hohen und einflussreichen Positionen sitzen, dass NS-Wiederbet\u00e4tigung hierzulande zwar nominell immer noch strafbar, aber de facto so gut wie sakrosankt ist. Und in diesem Fall gilt <i><b>nicht mehr <\/b><\/i>die Unschuldsvermutung, sondern eher ihr Gegenteil. Was mich auf das Thema &#8222;Codes und L\u00fcgen&#8220; bringt, dem ich aber bei n\u00e4chster Gelegenheit ganz gern ein eigenes Elaborat widmen m\u00f6chte.<u><\/u><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der EU-Abgeordnete, \u00d6VP-Politiker und ehemalige Innenminister Ernst Strasser ist zur\u00fcckgetreten. Nicht, weil er sich f\u00fcr irgendwas sch\u00e4mt, sondern weil sein Parteichef Josef Pr\u00f6ll, dem man aus menschlichen R\u00fccksichten gew\u00fcnscht h\u00e4tte, dass er seine Lungenembolie in Tirol ohne derartige St\u00f6rungen auskurieren k\u00f6nnte, es ihm ultimativ nahegelegt hat. 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