{"id":8,"date":"2011-03-25T19:25:00","date_gmt":"2011-03-25T18:25:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2017-02-16T20:37:37","modified_gmt":"2017-02-16T19:37:37","slug":"erhard-busek-ist-70","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tiefederjahre.at\/?p=8","title":{"rendered":"Erhard Busek ist 70"},"content":{"rendered":"<p>Sweet Suite. Ich kann irgendwie nicht aufh\u00f6ren, obwohl ja absehbar ist, dass das Schreiben f\u00fcr Suite101 kein Geld bringt und selbst bei explosionsartigem Anwachsen der Textmenge wahrscheinlich nie bringen wird, wenn man keine Lust hat, \u00fcber das Wetter zu schreiben, \u00fcber n\u00fctzliche Babytipps oder \u00fcber &#8222;Deutschland sucht den Superstar&#8220; (mit Sicherheit vergeblich).<\/p>\n<p>Nein, es wird nichts bringen au\u00dfer einer gewissen Freude, und vielleicht irgendwann den ersten zehn Euro, die mir als Tantiemen \u00fcberwiesen werden (momentan bin ich bei 3,04 \u20ac), das wird dann sowas wie Dagobert Ducks erster selbstverdienter Taler.<\/p>\n<p>Jetzt hab ich gerade einen <a href=\"http:\/\/www.suite101.de\/content\/wer-ist-erhard-busek-die-antithese-zu-ernst-strasser-a106566\">lobenden Artikel \u00fcber Erhard Busek<\/a> verfasst. Der Mann steht zwar in mancher Hinsicht sicher nicht f\u00fcr etwas, was ich haben will (etwa was den Katholizismus betrifft), aber ich w\u00fcrde viel lieber mit dem Busek \u00fcber Religion streiten als mit Faymann \u00fcber irgendetwas einig sein. Und von Sch\u00fcssel w\u00fcrd ich nicht einmal einen Gebrauchtwagen kaufen.<\/p>\n<p>Ja, ich wei\u00df, ich habe ein Tabu gebrochen und Erhard Busek mit Bruno Kreisky verglichen. Und ich steh dazu \u2013 glaube sogar, dass Busek der intelligentere und vor allem stabilere Mensch ist, einer, der nicht so neurotisch gegen seine Herkunft k\u00e4mpft wie Kreisky das getan hat. Busek hat sich \u00fcber Kreisky in einem kurzen, aber einsichtsvollen <a href=\"http:\/\/www.wieninternational.at\/de\/content\/100-jahre-bruno-kreisky-%E2%80%93-erhard-busek-serie-teil-vii-de\">Artikel<\/a> ge\u00e4u\u00dfert, den ich vorhin ergoogelt habe.<\/p>\n<p>Man braucht Busek schon dazu, um zu sehen, dass man die meisten Politiker, die man nicht mag (also die meisten), nicht deswegen nicht mag, weil sie in der falschen Partei sind, sondern deswegen, weil sie einfach kein Niveau haben. Busek wird \u2013 von manchen in durchaus ver\u00e4chtlicher Absicht \u2013 eine &#8222;Intellektualit\u00e4t&#8220; unterstellt, die eigentlich selbstverst\u00e4ndliches Niveau in der Politik sein sollte, die es aber \u2013 fast noch selbstverst\u00e4ndlicher \u2013 keineswegs ist. Das hat \u00fcbrigens, eine weitere Parallele, auch Kreisky in seiner Autobiographie beklagt. (Ich meine hier die einb\u00e4ndige Kurzfassung, in der es ein Kapitel gibt, das &#8222;vom Niveau der heutigen Politik&#8220; [oder so \u00e4hnlich] hei\u00dft und damit wohl etwa die mittleren bis sp\u00e4ten Achtzigerjahre meint. Kreisky spottet darin \u00fcber Politiker, die in ihrem Leben kaum was gelesen haben, keinerlei Allgemeinbildung besitzen und \u2013 das sind jetzt meine eigenen b\u00f6sen Worte \u2013 deren Horizont etwa dem einer Kellerassel gleicht. Da fallen einem aber heute ziemlich viele ein, die klare Mehrheit unserer Politiker besteht aus solchen Ungestalten.)<\/p>\n<p>Umso mehr, und umso angenehmer (wenngleich nicht unbedingt f\u00fcr von ihm ger\u00fcffelte Parteifreunde und -feinde), f\u00e4llt da ein Erhard Busek auf. Ein Mann, der sich auszudr\u00fccken wei\u00df, der etwas zu sagen und es nicht n\u00f6tig hat, in die unterste Lade zu greifen, wenn er jemanden beschimpfen will. Ein Mann, der sehr im Gegensatz zu Franz Vranitzky nicht der Ansicht ist, dass jemand, der Visionen hat, zum Psychiater gehen sollte. Ein Mann, der sich seit Jahrzehnten f\u00fcr Mitteleuropa einsetzt, ein Mitteleuropa, von dem die erw\u00e4hnten Kellerasseln gar keinen Begriff haben, so sie denn \u00fcberhaupt Begriffe ihr Eigen nennen. Ein Mitteleuropa, dessen vertane Chancen \u2013 ebenso wie jene, die etwa in der st\u00e4dtebaulichen Entwicklung Wiens an der Donau gelegen w\u00e4ren, wenn man sie denn nur ergriffen h\u00e4tte \u2013 Tag f\u00fcr Tag schmerzlicher werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind selbst \u00d6sterreichs unf\u00e4hige Politiker nicht an allem schuld. Aber man kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass vielleicht manche Grauslichkeiten sowohl hierzulande (leider hinl\u00e4nglich bekannt) als auch in Nachbarl\u00e4ndern wie Ungarn (Faschistengarden, Medien&#8220;gesetze&#8220;) oder der Slowakei (Terror und Mord gegen Roma und Sinti) unterbleiben oder weniger krass h\u00e4tten verlaufen k\u00f6nnen, wenn den Menschen hier wie dort die Perspektive eines prosperierenden und zusammenwachsenden Mitteleuropa geboten worden w\u00e4re. Nicht als Antithese zur EU, sondern vielmehr als sinnvolle Konsequenz der europ\u00e4ischen Einigung.<\/p>\n<p>Aber es fehlt uns nat\u00fcrlich das Geld, das wir ja stattdessen besser daf\u00fcr verwenden, um die Schulden einer internationalen Spekulantenbande zu bezahlen. Man nennt das heutzutage einen &#8222;Schutzschirm&#8220;, nur wer da tats\u00e4chlich besch\u00fctzt wird, das verschweigt man keusch. Es sind jene, die ihre Sch\u00e4fchen l\u00e4ngst im Trockenen haben, wenn die durch sie mitverursachten Staatsbankrotte stattfinden, in Irland, in Griechenland, in Portugal. Zahlen d\u00fcrfen diese Rechnung nat\u00fcrlich wir, und diese tats\u00e4chlich unhaltbaren Zust\u00e4nde erleichtern es verschiedenen Verr\u00fcckten \u2013 von s\u00e4chsischen Neonazis bis zu ungarischen Hahnenschw\u00e4nzlern \u2013 ihren Anti-EU-Wahnsinn unters Volks zu bringen.<\/p>\n<p>Aber eigentlich wollte ich \u00fcber Busek schreiben, der genau heute seinen 70. Geburtstag feiert. Ein Politiker, wie es immer zu wenige geben wird. Man h\u00e4tte ihm \u2013 und \u00d6sterreich \u2013 eine gr\u00f6\u00dfere innenpolitische Karriere gew\u00fcnscht. Die ist aber letztlich daran gescheitert, dass der Gro\u00dfteil der \u00d6VP, bundesweit sowieso, aber sogar auch in Wien, nicht f\u00fcr jene Werte stand, die Busek nicht nur vertritt, sondern verk\u00f6rpert: Urbanit\u00e4t, Toleranz, Intellektualit\u00e4t und aktive, geistig, intellektuell und politisch integrierende Nachbarschaftspolitik in einem neuen Mitteleuropa. Das liest sich wie eine Wahlbrosch\u00fcre, aber da er nicht zur Wahl steht und da man mir auch keine Sympathien zur \u00d6VP nachsagen kann, mag man glauben, dass ich es ernst meine.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr \u00fcbrigens die \u00d6VP stattdessen steht (wenn \u00fcberhaupt noch f\u00fcr irgendwas), das werde ich anderer Stelle sagen, denn es w\u00fcrde die Gratulation entwerten: ad multos annos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sweet Suite. 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